Tara
Tara richtig bestimmen
Das Verpackungsgewicht muss raus. Wie genau, hängt davon ab, wie stark eure Leergebinde streuen.
Gewogen wird meist die volle Packung, gefragt ist aber der Inhalt. Netto ist Brutto minus Tara, also abzüglich des Verpackungsgewichts. Damit dieser Abzug korrekt ist, muss man wissen, wie stark das Taragewicht der Leergebinde schwankt. Die FPackV regelt das in Anlage 3 Nr. 5.
Zwei Wege, das Netto zu bestimmen
Entweder du wiegst brutto und ziehst eine ermittelte Tara ab, oder du erfasst das Netto direkt. Der pauschale Tara-Abzug ist bequem, aber nur zulässig, wenn die Tarastreuung vernachlässigbar ist.
Ist sie das nicht, hilft kein Durchschnitt: Dann muss jede Leerpackung einzeln gewogen werden, damit die Schwankung des Gebindes nicht fälschlich als Füllmenge zählt.
Wann die Tarastreuung vernachlässigbar ist
Vernachlässigbar ist die Tarastreuung, wenn eine der beiden Bedingungen erfüllt ist: Entweder das mittlere Taragewicht beträgt höchstens 10 v. H. der Nennfüllmenge, oder die Standardabweichung der Taragewichte ist nicht größer als das 0,25-fache der zulässigen Minusabweichung (Anlage 3 Nr. 5b).
Für die Tara-Serie gilt ein fester Umfang: 10 Leerpackungen bei Prüfung am Abfüllort, 5 sonst. Aus diesen Werten ergibt sich der mittlere Tarawert und die Standardabweichung, die gegen die beiden Bedingungen geprüft werden.
Was bei zu großer Streuung passiert
Ist keine der beiden Bedingungen erfüllt, ist der pauschale Abzug unzulässig. Die Software muss das erkennen, warnen und die Einzeltara-Erfassung jeder Leerpackung erzwingen, statt still einen Durchschnitt anzunehmen.
Tara-Serien altern zudem: Bei einem Gebindewechsel oder nach längerer Zeit sollte die Serie neu gemessen werden. Der Tarastreuung-Rechner nimmt dir die Prüfung ab: Tara-Serie eintippen, Antwort auf die Frage vernachlässigbar ja oder nein bekommen.
Durchgerechnet: Darf ich pauschal Tara abziehen?
Ein pauschaler Tara-Abzug ist nur zulässig, wenn die Streuung der Verpackung vernachlässigbar ist. Anlage 3 Nr. 5b nennt dafür zwei Bedingungen, die beide erfüllt sein müssen.
- Nennfüllmenge
- 500 g
- Tara-Serie
- 10 leere Gläser
- Messwerte
- 12,2 g bis 12,8 g
01Schritt 1: Mittelwert und Streuung der Tara
Aus den zehn gewogenen Leergläsern ergeben sich mittlere Tara und Standardabweichung.
Tara-Mittelwert = 12,5 g · s = 0,1826 g
Das ist die Datenbasis für beide Bedingungen
02Schritt 2: Bedingung 1 — Tara höchstens 10 % der Nennfüllmenge
Eine sehr schwere Verpackung im Verhältnis zum Inhalt schließt den pauschalen Abzug aus.
Grenze = 10 % von 500 g = 50 g · vorhanden: 12,5 g
12,5 g ≤ 50 g ✓
03Schritt 3: Bedingung 2 — Streuung höchstens ein Viertel der Minusabweichung
Diese Bedingung ist in der Praxis die kritische. Die Minusabweichung für 500 g beträgt 15 g.
Grenze = 0,25 × 15 g = 3,75 g · vorhanden: s = 0,1826 g
0,1826 g ≤ 3,75 g ✓ → pauschaler Abzug zulässig
Was das Beispiel zeigt
Hier ist die Streuung um den Faktor 20 kleiner als nötig — bei maschinell gefertigten Gläsern der Normalfall. Kritisch wird es bei handgefertigter Keramik, bei Naturkork oder bei Beuteln mit stark schwankendem Etikett. Fällt Bedingung 2 durch, hilft kein Sicherheitsaufschlag: Dann muss jede Packung einzeln tariert werden.
Passende Rechner
- Tarastreuung-Rechner — Tara-Serie rein, Antwort auf die Frage vernachlässigbar ja oder nein.
- Toleranz-Rechner — Nennfüllmenge rein, Minusabweichung, TU1 und Verkehrsfähigkeitsgrenze raus.
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Verfasst von Alexander Hinze, verantwortlich nach § 18 Abs. 2 MStV (Impressum).
Alle Zahlenwerte dieses Artikels stammen aus dem versionierten Regelsatz von Justage, geprüft gegen die Fertigpackungsverordnung i. d. F. vom 18.11.2020 (BGBl. I S. 2504), Anlagen 3, 4 und 7. Veröffentlicht am 15.07.2026, zuletzt geprüft am 17.08.2026.
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